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  Demografischer Wandel


  Dr. rer. pol. h. c. Frank-J. Weise,
Vorsitzender des Vorstandes der Bundesagentur für Arbeit:


"Prävention in der Schule als Schlüssel zu mehr Ausbildungs-und Beschäftigungsfähigkeit"

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Besonders Erfolg versprechend sind unserer Erfahrung wie auch der wissenschaftlichen Begleitforschung nach diejenigen präventiven Maßnahmen, die einen pädagogischen, einen Motivations- und einen Qualifizierungsteil miteinander verbinden und sich zugleich starker Netzwerkstrukturen bedienen. Da wir bei den Maßnahmen in der Vergangenheit eine solche Querverbindung nicht immer hergestellt hatten, soll der Einsatz jener Instrumente nun koordinierter und gezielter erfolgen und vor allem den alltäglichen Lebensraum der Schüler, sprich: die Schule einbeziehen. Zu dieser Thematik führt die BA zurzeit drei Modellprojekte durch:

Das Modellprojekt „Sommerakademie – Fit für die Zukunft“ wird gemeinsam von der Hertie-Stiftung und der Agentur für Arbeit Lüneburg getragen und richtet sich an Schüler verschiedener Schultypen auf Hauptschulniveau. Sie setzt in der Vorabgangsklasse ein und umfasste einen dreieinhalbwöchigen Sommercamp-Aufenthalt in 2008, sowie eine Nachbetreuung von mindestens 50 Stunden vertiefter Berufsorientierung pro Schüler bis zur Vollendung des letzten Pflichtschuljahres im Sommer 2009. Neben der im Fokus stehenden Steigerung der Sozialkompetenzen werden hier in täglichen Intensiv-Kursen Fähigkeiten in Lesen, Rechnen und Englisch trainiert. Im ersten Durchlauf 2007 konnten damit gute Effekte erzielt werden. Die verwendeten Methoden außerschulischen Lernens motivierten und bestärkten die Jugendlichen nachhaltig. Zusätzlich haben die Teilnehmer während der Campzeit Bewerbungstechniken erlernt und konnten Angebote individuellen Coachings nutzen. Das erklärte Ziel der Maßnahme ist es, die Ausbildungsreife zu steigern und berufsrelevante Hard-Skills zu trainieren. Dadurch steigt unserer Erfahrung nach auch die Motivation für den Schulabschluss und die Chance zur Integration in Ausbildung oder zum Besuch einer weiterführenden Schule.

Das Modellprojekt „Zukunftscamp – Future Now“ ist regional zweigeteilt und findet an zwei Standorten statt. In Brandenburg wird sie durch die Agentur für Arbeit Neuruppin und das DGB-Bildungswerk finanziert, in Nordrhein-Westfalen ist Köln der agenturseitige Kofinanzier. Zielgruppe dieser Maßnahme sind wiederum Jugendliche auf Hauptschulniveau in verschiedenen Schulformen. Sie setzt nach Vollendung der achten Klasse ein und umfasst einen dreiwöchigen Sommercamp-Aufenthalt in 2008 und neun nachfolgende Follow-Up-Module zur vertieften Berufsorientierung an Wochenenden in der neunten und zehnten Jahrgangsstufe. Das Projekt endet im Sommer 2010 mit dem letzten vollendeten Pflichtschuljahr der Teilnehmer. Das zugrunde liegende pädagogische Konzept „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ wurde an der Universität Lüneburg entwickelt und von der UNESCO als Dekadeprojekt ausgezeichnet. An Themen, wie „der Wald“ oder „Mode“ machen die Jugendlichen praktische handwerkliche Erfahrungen und lernen zudem das Beziehungsgeflecht der in diesen Feldern Tätigen kennen. So erfahren sie die unterschiedlichen Berufsmöglichkeiten in ihrer Abhängigkeit zueinander und damit auch in ihrem Wert füreinander. „Typische Hauptschüler-Berufe“ sollen dadurch aufgewertet sowie Selbstwert und Soft-Skills gestärkt werden. Das Ziel der Maßnahme ist es, die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit der Teilnehmer zu steigern, sie für den Schulabschluss zu motivieren sowie sie bei der Bewerbung um eine Ausbildung oder einen weiterführenden Schulplatz zu unterstützen.

Beide Modellprojekte basieren auf dem Instrument der erweiterten vertieften Berufsorientierung. Von der engen begleitenden Einbindung in die Modellprojekte und deren Evaluation erhoffen wir uns Erkenntnisse, die uns zu einer besseren Bewertung und einem gezielteren und effizienteren Einsatz des Instruments befähigen.

Der Berufseinstiegsbegleiter ist ein neues Instrument, welches zunächst ab 2009 befristet bis Ende 2011 an ausgewählten allgemeinbildenden Schulen gefördert wird. Innerhalb eines Modellversuchs möchte die BA diesen Hebel zusätzlich an berufsvorbereitenden Einrichtungen ausprobieren. In diesen Schulklassen haben Jugendliche, die den Sprung von der Schule in eine Berufsausbildung aus eigener Kraft nicht realisieren konnten, meist auch die Chance, ihren Hauptschulabschluss nachzuholen, sofern sie ihn noch nicht besitzen. Bei der Auswahl der Schulen beziehen wir insbesondere diejenigen mit einem nennenswerten Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund in das Modellprojekt ein. Dabei nutzen wir das auf Prävention ausgerichtete Instrument in einem Teilbereich des Übergangssystems, weil wir wissen, dass sich an die Zeiten im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), Berufsorientierungsjahr (BOJ), in Jungarbeiterklassen oder Berufsqualifizierenden Lehrgängen (BQL) sehr häufig nicht der erhoffte und erwartete Einstieg in die Berufausbildung anschließt – selbst nach erfolgreichem Abschluss. Die berufsorientierenden oder -vorbereitenden Angebote scheinen nicht auszureichen, um im Anschluss weitere Kosten des Übergangssystems zu vermeiden. Und genau an diesem Knackpunkt setzen wir bei dieser Zielgruppe mit dem Instrument der gezielten individuellen Unterstützung durch den Berufseinstiegbegleiter an, da sich ihnen andernfalls kaum eine Chance auf eine duale Berufsausbildung böte.

Der Berufseinstiegsbegleiter unterstützt Schüler, deren Schulabschluss gefährdet ist, bei der beruflichen Orientierung und wirkt als Motivator und Türöffner auf dem Weg in die Ausbildung. Durch individuelles Coaching und gezielte Hilfestellung bspw. beim Erreichen des Hauptschulabschlusses, bei Bewerbungsaktivitäten und Vorstellungsgesprächen aber auch durch Akquirierung geeigneter Praktikumsplätze in potenziellen Ausbildungsbetrieben wird der direkte Übergang in Ausbildung außerhalb des beitragsfinanzierten Ersatzsystems signifikant erhöht werden. Dabei wird der Berufseinstiegsbegleiter insbesondere auch das soziale Umfeld des Jugendlichen sowie sozialpädagogische Angebote Dritter in seinen Aktivitäten berücksichtigen und beides dort einbringen, wo es ihm hilfreich erscheint.


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