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  Demografischer Wandel


  Dr. rer. pol. h. c. Frank-J. Weise,
Vorsitzender des Vorstandes der Bundesagentur für Arbeit:


"Prävention in der Schule als Schlüssel zu mehr Ausbildungs-und Beschäftigungsfähigkeit"

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5. Die Verbesserung des Übergangs an der ersten Schwelle

Nach der frühkindlichen Förderung, die – obwohl vorschulisch – maßgeblich zur weiteren Bildungsbiografie beiträgt und deswegen konzeptionell nicht herausgeschnitten werden darf, ist das biografisch gesehen nächste wichtige Präventionsfeld die Schule selbst. Wie bereits erwähnt ist der Einfluss des Bildungsniveaus auf die Arbeitsmarktposition in den letzten Jahren tendenziell gestiegen und gehört zu den robustesten Ergebnissen der empirischen Sozialforschung (vgl. Gangl 2003). Um die erste Schwelle nicht zum Stolperstein werden zu lassen ist es eine grundsätzliche Herausforderung für die Institution Schule, junge Menschen nicht nur zum Schulabschluss zu führen, sondern auch zur Ausbildungs- und Berufsreife und somit den Übergang in die nächste Biografiephase erfolgreich zu gestalten. Und obgleich das Thema „Verbesserung des Übergangs an der ersten Schwelle“ Absolventen aller Schulformen betrifft, scheint die Situation von Hauptschülern in Deutschland besonders eklatant.

Hierzu nur einige wenige statistische Daten:
Nach Angaben des 2008 veröffentlichten zweiten Nationalen Bildungsberichts des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bleiben in Deutschland jährlich rund 80.000 Jugendliche ohne Schulabschluss. Seit 2003 führt das Deutsche Jugendinstitut eine Längsschnittuntersuchung zu Zukunftsplänen und dem tatsächlichen Verbleib von rund 4000 Hauptschülern durch. Danach gingen von den erfolgreichen Hauptschulabsolventen 2004 zum Ende des letzten Pflichtschuljahres 26% direkt in Ausbildung über, 35% besuchten weiterführende Schulen, 26% mündeten in Berufsvorbereitungen ein und 9% blieben ohne Ausbildung oder Arbeitsplatz. In einer erneuten Befragung ein Jahr später hatten immerhin schon 43% der Absolventen einen Ausbildungsplatz realisieren können und in weiterführenden Bildungseinrichtungen befanden sich noch 29% der Befragten. 28% der Hauptschüler hatten also auch knapp eineinhalb Jahre nach Schulende nur eine Übergangslösung gefunden bzw. waren ohne erkennbare Perspektive in Richtung Ausbildungsabschluss. Zudem verfügten 2005 gut 22% aller 25- bis 35-Jährigen über keinen beruflichen Bildungsabschluss und sind damit einem hohen Arbeitslosigkeitsrisiko ausgesetzt (Vgl. Bildung in Deutschland 2008. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Übergängen im Anschluss an den Sekundarbereich I. Hrsg: Autorengruppe Bildungsberichterstattung im Auftrag der ständigen Konferenz der Kulturminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland und des Bildungsministeriums für Bildung und Forschung. Bielefeld 2008.). Wohlgemerkt handelt es sich bei diesen Zahlen um die Gruppe der erfolgreichen Absolventen, die die Hauptschulen mit einem Abschlusszeugnis verlassen haben! Die Problematik für jene Schulabgänger, die ihren Abschluss nicht erreicht haben, verschärft sich beim Übergang noch einmal erheblich.

Die Intention der präventiven Aktivitäten der Bundesagentur ist allgemein die Verbesserung der Situation von Schülern an der ersten Schwelle, wobei es im Besonderen darum geht, eine signifikante Verbesserung für Hauptschüler bzw. Schüler auf Hauptschulniveau beim Übergang in Ausbildung oder weiterqualifizierende Bildungsgänge zu erreichen. Auch wenn die BA nur bedingt den Ausgleich für Versäumtes im Schulsystem oder gar dessen Defizite schaffen kann, ist sie doch in der Lage, mit dem umfänglichen Instrumentarium der Berufsberatung Impulse zu setzen. Neben ihrem Kerngeschäft, der Beratung und Vermittlung, unterstützen unsere Beratungsfachkräfte junge Schüler auch in solchen Fällen, in denen es um das Nachholen von Bildungsabschlüssen geht. Dies wird auch deutlich an der Diskussion um den Förderansatz, wonach Arbeitslose künftig mit Mitteln der Bundesagentur für Arbeit ihren Hauptschulabschluss nachholen können, dem gedanklichen Ansatz nach auch nicht gänzlich neu.

Zurückkommend auf die präventiven Aktivitäten der Arbeitsverwaltung kann es allerdings nur in zweiter Linie um das Nachholen eines Schulabschlusses gehen. Schließlich ist in dem Fall, in dem der Abschluss versäumt wurde, der Nachweis missglückter Prävention bereits erbracht. In erster Linie geht es darum, die Berufswahlvorbereitung junger Menschen dort zu begleiten und zu unterstützen, wo diese einen Informations- und Beratungsbedarf entwickeln, der mit Hilfe des eigenen sozialen Netzwerks – Familienangehörige, Lehrer und anderen – offensichtlich nicht ausreichend gedeckt werden kann. An dieser Stelle sei mir auch gleich der generelle Hinweis erlaubt, dass die Hauptverantwortung für einen gelingenden Berufwahlprozess bei den Berufswählenden und ihrem sozialen Umfeld selbst liegt. Die Bundesagentur erbringt nur insofern einen Beitrag, als dass sie Expertenwissen in punkto Ausbildung und Arbeitsmarkt besitzt und den Betroffenen wie auch den am Berufswahlprozess Beteiligten mit ihrem objektiven und neutralen Informations-, Beratungs- und Vermittlungsangebot zur Seite steht.

Ziel ist es also, jungen Menschen an der ersten Schwelle eine profunde Berufsorientierung und Qualifikation zu ermöglichen und sie so zu einer tragfähigen Berufsentscheidung zu bringen. Dazu steht den Agenturen für Arbeit inzwischen ein beachtliches Regelinstrumentarium für ganz unterschiedliche Zielgruppen und -richtungen zur Verfügung. Dieses reicht von der erweiterten bzw. vertieften Berufsorientierung, berufskundlichen Informationen, der beruflichen Einzelberatung, Berufs- und Eignungstests bis hin zu berufsvorbereitenden Maßnahmen und erstreckt sich auf Multiplikatoren wie Lehrer und Eltern ebenso wie auf die Berufswählenden selbst.


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