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  Demografischer Wandel


  Dr. rer. pol. h. c. Frank-J. Weise,
Vorsitzender des Vorstandes der Bundesagentur für Arbeit:


"Prävention in der Schule als Schlüssel zu mehr Ausbildungs-und Beschäftigungsfähigkeit"

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3. Übergänge frühzeitig vorbereiten statt Übergangssysteme schaffen

Grundsätzlich sind alle Aktivitäten, Projekte und Initiativen zu begrüßen, die schwächeren Schülern Unterstützung beim Einstieg ins Berufsleben bieten, und eine Vielzahl guter Ansätze existiert in diesem Feld auch bereits. Allerdings gilt ebenso, dass einzelne Leuchttürme – quasi die Referenzmodelle für „gute Schule“ – inzwischen genügend in der Bildungslandschaft stehen. Um das Problem in seinem gesamten Umfang und auch an seinen Wurzeln packen zu können, bedarf es mehr als nur der Konzentration auf das enge Zeitfenster von Schulabschluss- und Berufseinstiegsphase. Die entscheidenden Weichen werden weit davor gestellt und greifen im Unglücksfall leider ebenso weit in den Erwerbsverlauf hinein.

Die Bundesagentur für Arbeit stellt im Zuge ihrer neuen geschäftspolitischen Ausrichtung auf Prävention derzeit Vorüberlegungen zu einem bildungs- und erwerbsbiografischen Phasenmodell an, anhand dessen vor allem die Übergangsszenarien zwischen Bildung, Ausbildung, Erwerbstätigkeit, Weiterbildung und Erwerbslosigkeit untersucht wurden. Wir betrachten also den ganzen Lebenslauf eines Menschen, vom frühkindlichen Stadium bis zum Renteneintritt. In dieser Zeit durchläuft der Mensch verschiedene arbeitsbiografische Phasen wobei sich sein physisches und psychisches Anforderungs- und Belastungsprofil verändert. Bei unserer Betrachtung konnten wir feststellen, dass die Gründe für das Scheitern an den Schwellen – quasi den biografischen Bruchstellen – auf individueller Ebene nahezu regelhaft sind. Sie lassen sich unter dem Oberbegriff „mangelnde Ausbildungs- bzw. Beschäftigungsfähigkeit“ (Adaptiert nach der Definition von Jutta Rump und Silke Eilers beschreibt Beschäftigungsfähigkeit die Fähigkeit und Bereitschaft einer Person, ihre fachlichen, persönlichen, sozialen und methodischen Kompetenzen unter sich wandelnden Rahmenbedingungen und Anforderungen des Arbeitsmarktes zielgerichtet, eigenverantwortlich und proaktiv anzupassen und einzusetzen, um eine existenzsichernde Erwerbstätigkeit zu erlangen, auszuüben und zu erhalten und den eigenen Erwerbszyklus zu gestalten (vgl. Rump/Eilers 2006).) subsumieren. Es gilt, was auch andere Biografieforscher längst erkannt haben: Präventive Maßnahmen, die Ausbildungs- und Beschäftigungsfähigkeit herstellen bzw. aufrechterhalten wollen, sollten sich nicht nur auf die Erwerbsphase eines Auszubildenden bzw. Arbeitsnehmers konzentrieren, sondern möglichst früh in der Biografie eines Menschen ansetzen. Das erhöht einerseits die Erfolgswahrscheinlichkeit der Intervention und begünstigt andererseits sowohl für die Person selbst wie auch für die Gesellschaft die Kosten-Nutzen-Relation der Maßnahme. Unser Fazit lautet also: Die Wahrscheinlichkeit, Ausbildungs- und Beschäftigungsfähigkeit dauerhaft herzustellen, ist umso größer, je früher wir präventive Maßnahme im Biografieverlauf ansetzen. Die Bundesagentur für Arbeit trägt durch diese Ausrichtung zu einer längerfristigen Perspektive bei.



4. Die Qualifizierung des pädagogischen Betreuungspersonals zur verbesserten Kompetenzentwicklung im frühkindlichen Stadium

Auch wenn der Titel die Präventionsmöglichkeiten in der Schule aufzeigen will, beginnt es bereits im Vorschulalter. Individuelle Gründe für Ausbildungs- und Arbeitslosigkeit sind nach Meinung vieler Forscher u.a. das Ergebnis einer schwierigen Erziehungs- und Bildungssituation im Elternhaus. So belegt auch eine Studie des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), was spätestens seit PISA und IGLU jedem bekannt ist: Schon in der Kindheit werden – überwiegend in der Familie – die Kompetenzen aufgebaut bzw. nicht aufgebaut, die eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg in der Schule und später auf dem Arbeitsmarkt sind (vgl. u.a. ZEW 2008 (Ungleichheit und die differentiellen Erträge frühkindlicher Bildungsinvestitionen im Lebenszyklus, Discussion Papier No. 08-001)). Die nachfolgende Ungleichheit entsteht also schon im frühkindlichen Stadium und wirkt sich mit einer hohen Beständigkeit auf den Erfolg im Bildungs- und Beschäftigungssystem aus.

Ein Untersuchungsergebnis des ZEW besagt, dass Investitionen in frühkindliche Bildung helfen, die der Ungleichheit zugrunde liegenden Faktoren schon in der Phase ihrer Entstehung zu verhindern. Dabei ist besonders bemerkenswert – so ein weiteres Detailergebnis der Studie –, dass sich nicht nur jeder Euro mehr, der für die Entwicklung von Fähigkeiten im frühen Kindesalter ausgegeben wird, mit einer hohen Rendite auszahlt, sondern dass es vor allem die am stärksten benachteiligten Kinder sind, die bei gleichen Investitionen am meisten profitieren und demzufolge auch die größten volkswirtschaftlichen Erträge bringen. Frühkindliche Ansätze, wie z.B. Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund, sind deswegen in ihrer Effektivität und Effizienz nicht zu unterschätzen.


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