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  Manfred Kremer,
Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB):


"Anforderungen an die Berufsvorbereitung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels"

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9. Anforderungen an die Berufsvorbereitung – Herausforderungen nicht nur für die Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft

So wichtig Partnerschaften zwischen Schulen und Betrieben und deren spürbare Zunahme in den letzten Jahren sind, müssen doch auch Fragen zur Qualität und Nachhaltigkeit dieser Kooperationsbeziehungen gestellt werden: Mit welchem Leben sind diese Partnerschaften erfüllt? Wie weit geht die Zusammenarbeit? Werden Kontakte auch außerhalb der Zeiten gepflegt, in denen Praktika oder Betriebserkundungen durchgeführt werden? Sind Ausbilder/-innen möglichst vieler verschiedener Berufe regelmäßig in den Schulen, um ihre Tätigkeit darzustellen? In welcher Form widmet man sich den Jugendlichen mit besonderem Unterstützungsbedarf? Wie werden betriebliche Erfahrungen in der Schule aufbereitet und verarbeitet?

Dabei steht zu vermuten, dass es ein breites Spektrum an Angeboten unterschiedlicher Qualität gibt. So wissen wir, dass die Intensität der Zusammenarbeit mit der Größe der Betriebe zusammenhängt. Je größer die Betriebe sind, desto mehr Kontakte gibt es auch außerhalb der Zeiten, in denen Jugendliche gerade ihre Schülerbetriebspraktika absolvieren. Um die Vielfalt der Berufswelt halbwegs angemessen abbilden zu können, benötigt jede Schule zudem mehrere Betriebe als Partner.

Die Qualität dieser Partnerschaften können Betriebe und Schulen nur gemeinsam sichern. So können Betriebspraktika auch mit „schwierigen“ Jugendlichen erfolgreich verlaufen, wenn sie mit ausgewählten Gruppen durchgeführt werden, bei denen zuvor das Interesse für die im jeweiligen Betrieb angebotenen Ausbildungsberufe erkundet worden ist.

Initiativen wie die Stiftung Partner für Schule in NRW und die in allen Regionen bundesweit aktiven Arbeitskreise Schule-Wirtschaft tragen zur Förderung einer dauerhaften und systematischen Zusammenarbeit von Schulen und Betrieben wesentlich bei.

Notwendig ist aber auch ein systematischerer Erfahrungsaustausch zwischen den Schulen und insbesondere eine intensivere Kooperation zwischen beruflichen und allgemeinbildenden Schulen.

Mit dem BMBF-Programm „Berufsorientierung in überbetrieblichen und vergleichbaren Bildungsstätten“, das vom BIBB durchgeführt und begleitet wird, soll die Zusammenarbeit zwischen Schulen und überbetrieblichen Bildungsstätten (ÜBS) weiterentwickelt und gefördert werden. Jugendliche erhalten in den ÜBS die Gelegenheit, auf der Basis ihrer Neigungen und Stärken, die mit einem Kompetenzcheck ermittelt werden, für zwei Wochen praktische Erfahrungen in wenigstens drei vorrangig handwerklichen Berufen zu machen. Unter Anleitung erproben sie in diesen Einrichtungen praktische Tätigkeiten in den angebotenen Berufen. Zum Abschluss erhalten sie ein Zertifikat mit Aussagen zu ihren Neigungen und Eignungen, zu den vorhandenen Grundqualifikationen und ihren handwerklichen Fähigkeiten. Das Pilotprojekt bietet somit einen recht umfangreichen praktischen Einblick. Gleichzeitig soll es einen Beitrag dazu leisten, den Jugendlichen die Wichtigkeit eines guten Schulabschlusses zu verdeutlichen und ihnen eine Orientierungshilfe für die anstehende Berufswahlentscheidung zu bieten. Dafür stehen jährlich 15 Millionen Euro aus dem Haushalt des Bundes zur Verfügung. Bei einem Förderbetrag von 300 Euro pro Maßnahme und Jugendlichem können so pro Jahr 50.000 Schülerinnen und Schüler erreicht werden.

Es ist zu begrüßen, dass in Nordrhein-Westfalen weitere Mittel im Rahmen eines eigenen landesweiten Programms in Maßnahmen zur Berufsorientierung fließen sollen. Es ist zu hoffen, dass in diesem Bereich eine inhaltlich gut zu begründende Abstimmung zwischen Bund und Land NRW zustande kommt, die dann jeweils auf regionaler Ebene umzusetzen sein wird.

Notwendig sind vor allem aber nachhaltige Strukturen, in denen die Ressourcen zur Berufsorientierung und Berufsausbildungsvorbereitung vor Ort in einem koordinierten regionalen „Übergangsmanagement von der Schule in die Ausbildung“ und zur „Förderung aus einem Guss“ gebündelt werden (vgl. Kremer 2008).

Neben Betrieben, allgemeinbildenden und beruflichen Schulen müssen in solchen „Netzwerken“ auch Berufsbildungs- und Jugendhilfeeinrichtungen, Kammern, Arbeitsagenturen und Kommunen über Zuständigkeitsgrenzen hinweg kooperieren.

Es gibt inzwischen auch Dank der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten und vom BIBB durchgeführten Förder- und Entwicklungsprogramme viele gute Beispiele, aber noch keine Umsetzung in die Breite.

Das Bundesinstitut leistet mit dem von ihm durchgeführten Programm JOBSTARTER weitere Beiträge zur Verbesserung des Übergangs von den allgemeinbildenden Schulen in die berufliche Bildung und hat diesem Thema einen eigenen Förderbaustein gewidmet. So ist unter dem Titel „Unternehmen in Schulen“ mittlerweile ein bedeutsames Handlungsfeld für vielfältige Kooperationsbeziehungen von Schulen und Betrieben entstanden (vgl. JOBSTARTER-Regional 2/2008). Auch das im Rahmen der „Qualifizierungsinitiative“ der Bundesregierung gestartete BMBF-Programm „Perspektive Berufsabschluss“ wird dazu beitragen (vgl. http://www.bmbf.de/foerderungen/12039.php).


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