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  Demografischer Wandel


  Manfred Kremer,
Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB):


"Anforderungen an die Berufsvorbereitung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels"

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Drei kurze Beispiele aus dem Schulalltag:

  • Manche Klassen führen mehrere Betriebserkundungen durch, manche Klassen keine.

  • In der einen Schule suchen und absolvieren Jugendliche ihre Schülerbetriebspraktika mehr oder weniger nach dem Prinzip Zufall, in der anderen bauen sogar mehrere ausführlich vor- und nachbereitete Praktika in verschiedenen Berufsfeldern systematisch aufeinander auf.

  • An der einen Schule wird fächerübergreifend unterrichtet, also beispielsweise im Deutschunterricht das Thema Praktikum erörtert oder das Schreiben von Lebensläufen geübt, an der anderen Schule obliegt diese Aufgabe allein den für die Berufsorientierung zuständigen Lehrkräften. In den vom BIBB geführten Interviews mit den für die Berufsorientierung verantwortlichen Lehrkräften erklärten manche, sie fühlten sich von den Kollegien allein gelassen (vgl. Bergzog 2008).


Praktische Erfahrungen zeigen aber, dass Schulabgänger und Schulabgängerinnen aus Schulen mit einer frühzeitigen und systematischen Berufsorientierung und einer sinnvollen Abfolge mehrerer Praktika bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz überdurchschnittlich häufig erfolgreich sind. Eine flächendeckende Einführung solcher Angebote der Berufsorientierung wäre deshalb ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Ausbildungschancen vieler Schulabgängerinnen und Schulabgänger.



6. Das „Problemkind“ Hauptschule

Junge Menschen mit Hauptschulabschluss haben größere Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu finden als Jugendliche mit Realschulabschluss oder Abitur. Zugleich ist die Palette der tatsächlich für sie zugänglichen Ausbildungsplätze und Ausbildungsberufe deutlich eingeschränkt.

Vor allem in den städtischen Ballungsräumen ist der Anteil von Jugendlichen aus bildungsfernen und sozial schwächeren Elternhäusern häufig auch in Kombination mit einem Migrationshintergrund an Hauptschulen sehr hoch. Die Ausbildungschancen von Jugendlichen mit dieser familiären Herkunft sind deutlich schlechter als die anderen Jugendlicher. Das gilt ganz besonders für junge Menschen mit Migrationshintergrund, deren Chancen sich in den letzten Jahren noch weiter verschlechtert haben (vgl. Granato 2008). Häufig fehlen den Eltern ausreichende Kenntnisse über das Bildungssystem. Deshalb können sie ihre Kinder nicht angemessen beraten. Gleichwohl haben sie aber den größten Einfluss auf die Entstehung von Berufswünschen. Es ist also für eine gelingende Berufsvorbereitung von großer Bedeutung, diese Eltern zu informieren und zu beteiligen.

Die Erfahrung zeigt, dass auch Jugendliche mit problematischen Lernbiographien und schwierigen familiären Lebenslagen einen qualifizierten Berufsabschluss erreichen können, wenn Ihnen der Sinn von Ausbildung und Beruf vermittelt und eine realistische Perspektive eröffnet wird. Hier bieten Ganztagsschulen sicher mehr Möglichkeiten und mehr Zeit, um über eine gelungene Berufsorientierung solche Perspektiven aufzuzeigen.

Besonders Erfolg versprechend sind dabei Formen der Berufsorientierung, die eine Bewährung in der Praxis ermöglichen. Dies war nicht nur bei den Betrieb-und-Schule-Projekten (BUS) in NRW zu beobachten oder bei Jugendlichen in Produktionsschulen, sondern auch bei Schülerbetriebspraktika. Die große Mehrheit der Betriebe wie auch der Jugendlichen berichtet über positive Erfahrungen, die sie dabei gemacht haben (vgl. Bergzog 2008).

Ein großer Teil der berufsvorbereitenden Maßnahmen, die Jugendliche nach der Schulzeit durchlaufen, wären vermutlich nicht nötig, wenn die Instrumente der Berufsorientierung während der Schulzeit besser greifen würden.


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