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  Demografischer Wandel


  Manfred Kremer,
Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB):


"Anforderungen an die Berufsvorbereitung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels"

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5. Situation an den Schulen

Vor dem dargestellten Hintergrund muss es zu denken geben, dass 40% der Zehntklässler an Haupt- und Realschulen bis zum Ende der Schulzeit noch keinen konkreten Berufswunsch entwickeln können (vgl. Beinke 2006). Untersuchungen zeigen aber:

  • Bewerbungsverhalten und Bewerbungserfolg unterscheiden sich in erheblichem Maße, wenn man Jugendliche mit und ohne entwickelten Ausbildungswunsch vergleicht. Jugendliche mit klarem Ausbildungswunsch bewerben sich zielgerichteter, zielstrebiger und vor allem erfolgreicher (vgl. Beinke 2006).

  • Haben Jugendliche einen Ausbildungsvertrag bekommen ohne klare Vorstellungen von dem, was sie in der Ausbildung erwartet, steigt die Gefahr vorzeitiger Abbrüche. Neben sozialen Konflikten sind falsche Berufsvorstellungen mit 20% der am häufigsten genannte Grund dafür (vgl. TNS-Emnid-Studie 2001).


Es ist also noch viel zu tun, um den hohen Anteil derer, die nicht so recht wissen, wohin die Reise gehen soll zu verringern und den negativen Folgen unklarer oder falscher Vorstellungen von Ausbildung, Studium und Beruf wirksam zu begegnen.

Die Sensibilität für das Thema Berufsorientierung und das Angebot an berufsorientierenden Veranstaltungen sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten stetig gewachsen. Viele Schulen haben die Berufsorientierung zu einem Mittelpunkt ihrer Arbeit gemacht. Schülerbetriebspraktika und andere berufsorientierende Maßnahmen gehören mittlerweile zum festen Programm. Die Anzahl von Partnerschaften zwischen Schulen und Betrieben ist ebenfalls erfreulich angestiegen. Trotz aller Bemühungen besteht aber an vielen Stellen und in verschiedener Hinsicht weiterhin Optimierungsbedarf (Bergzog 2008):

  • So steht Berufsorientierung zwar auf dem Unterrichtsplan, aber eine Kontinuität wie sie in Fächern wie Deutsch oder Mathematik selbstverständlich ist, fehlt vielerorts noch. Umgekehrt fehlen in den klassischen Fächern mitunter Praxisbezug und Lebensnähe.

  • Trotz vieler Beispiele guter Praxis mangelt es bei der Berufsorientierung im Schulalltag häufig noch an durchgängig angelegten und systematischen Konzepten, um nachhaltige Erfolge zu erzielen.

  • Verschiedene Berufsorientierungsmaßnahmen, angefangen von Betriebserkundungen, über Kompetenzfeststellungen, Berufsberatung, Bewerbungstrainings usw., die erst in der Summe ihre Wirkung entfalten können, werden nicht immer in einer logisch aufeinander aufbauenden Abfolge angeboten.

  • Das gleiche gilt für das Kernstück der schulischen Berufsorientierung, die Schülerbetriebspraktika. Auch sie werden nicht überall ihrem Stellenwert entsprechend vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet. Wenn am Ende der Schulzeit Schüler und Schülerinnen lediglich wissen, dass ein oder zwei von über 300 Ausbildungsberufen für sie nicht infrage kommen, war der Aufwand im Verhältnis zum Ertrag zu hoch.

  • Qualität und Erfolg der Berufsorientierung hängen bis heute maßgeblich vom individuellen Engagement einzelner Lehrkräfte ab und sind von Schule zu Schule unterschiedlich.

  • Als flächendeckende Instanz ist auch die Berufsberatung der Arbeitsagenturen angesprochen, bei der Berufsorientierung effektiv mitzuwirken. Erfreulicherweise ist dort Bewegung zu beobachten. Mit der Einführung der vertieften Berufsorientierung (§ 33 SGB III) und der Berufseinstiegsbegleitung (§ 421 s) und weiteren Fördermaßnahmen wird die 2004 getroffene Rahmenvereinbarung zwischen der Bundesagentur für Arbeit und der Kultusministerkonferenz, beim Übergang von Schule in Ausbildung, Studium und Beruf noch zielgenauer zu beraten, mit Leben gefüllt.

  • Gleichwohl kommt nicht jeder Jugendliche in den Genuss einer ausreichenden Berufsorientierung. Es gibt keine verbindlichen und allgemeingültigen Mindeststandards für die schulische Berufsorientierung (Zur Frage von Standards in der Berufsorientierung siehe: Famulla 2004, 43ff). Auch unter diesem Aspekt sind die Chancen beim Übergang von der Schule in die Ausbildung ungleich verteilt.


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