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  Demografischer Wandel


  Manfred Kremer,
Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB):


"Anforderungen an die Berufsvorbereitung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels"

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4. Konsequenzen für den Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen und hieraus resultierende Schluss-folgerungen

Die demografische Entwicklung wird sich bereits in absehbarer Zeit auch auf den Ausbildungsstellenmarkt in Nordrhein-Westfalen auswirken (Im Osten Deutschlands ist das Problem des demografisch bedingten Bewerbermangels ja bereits in diesem Sommer Auslöser einer vielfältigen publizistischen Resonanz gewesen.). Dort wurde im abgelaufenen Schuljahr 2007/08 mit 221.620 Abgänger/- innen der vorläufige Höhepunkt der Schulabgängerzahlen aus den allgemeinbildenden Schulen erwartet (vgl. Schülerprognose und Schulabgängerprognose bis zum Schuljahr 2029/30): Tatsächlich waren es dann sogar gut 223.000 Schulabgänger/-innen. Abgesehen vom Schuljahr 2012/13, in dem die Abgängerzahl aufgrund des doppelten Abiturientenjahrgangs in NRW kurzfristig noch einmal um 45.000 höher liegen wird als heute, gehen diese Zahlen bereits ab dem nächsten Schuljahr bis zum Jahr 2015 auf weniger als 200.000 und bis zum Jahr 2025 sogar auf nur noch etwa 167.000 und damit auf drei Viertel des heutigen Umfangs zurück. Sie werden damit noch unter dem Niveau des bisherigen Tiefststandes aus dem Jahr 1998 liegen. Bestätigt wird dieser Trend auch durch die Zahlen einer aktuellen Untersuchung des Bundesinstituts zur „Entwicklung des Nachfragepotenzials nach dualer Berufsausbildung bis 2020“ (vgl. Deters/Ulmer/Ulrich 2008).

Noch ist nicht klar, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf den Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen tatsächlich haben wird. In einigen der 33 Agenturbezirke wird dieser Rückgang möglicherweise den wünschenswerten Ausgleich von Angebot und Nachfrage herbeiführen. Gegenwärtig liegt die Zahl der betrieblichen Ausbildungsangebote in einigen Regionen (so etwa im Ruhrgebiet mit Ausnahme von Essen) immer noch deutlich unter der Zahl der gemeldeten Bewerber/-innen. Viele Regionen werden aber vermutlich zukünftig unter einem deutlichen Bewerbermangel leiden. Dies gilt in besonderem Maße für die Bezirke, in denen es bereits heute zu wenige Bewerber/-innen gibt (z.B. in Düsseldorf und Köln). Bei diesen Überlegungen ist zudem zu berücksichtigen, dass die momentan so hohe Zahl der Bewerber/-innen auch darauf zurückzuführen ist, dass der Anteil der Altbewerber nach den Zahlen der Bundesagentur immer noch bei über 50% liegt.

Gegenwärtig ist demnach davon auszugehen, dass sich der Ausbildungsmarkt auch in NRW zum Vorteil der Ausbildungsplatzbewerber/-innen entwickeln wird. Bleiben heute noch viele junge Leute trotz hinreichender Voraussetzungen ohne einen Ausbildungsplatz und münden damit häufig in unproduktive Maßnahmenkarrieren und Warteschleifen im so genannten „Übergangssystem“ ein, werden künftig immer mehr Betriebe auf der Suche nach geeigneten Auszubildenden erfolglos bleiben.

Um dieser aus betrieblicher Sicht misslichen Situation zu begegnen, müssen alle Begabungsreserven ausgeschöpft werden. Es ist nicht nur ein schwerwiegendes bildungs- und gesellschaftspolitisches Problem, dass in den letzten Jahren rund 15% der jungen Erwachsenen ohne Berufsausbildung und damit ohne ausreichende Zugangschancen zu beruflicher Tätigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe blieben (vgl. BIBB-Report 6/2008). Angesichts der demografischen und qualifikatorischen Entwicklungen ist dies auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr hinnehmbar.

Es muss wesentlich mehr in das Fordern und Fördern junger Menschen investiert werden, die aus welchen Gründen auch immer Probleme beim Übergang in die Ausbildung haben, damit die Wirtschaft auch künftig ihren Personalbedarf decken kann und damit diese Menschen sich künftig selbst versorgen können und nicht zu einem chronischen arbeitsmarktpolitischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problem werden.

Bildung und Ausbildung müssen deshalb höchste Priorität haben. Möglichst allen jungen Menschen müssen nahtlose Übergänge von den allgemeinbildenden Schulen in die berufliche Bildung und qualifizierte Berufsabschlüsse ermöglicht werden.

Dabei ist zum einen das Berufsbildungssystem selbst gefordert. In den Regionen mit knappem betrieblichen Ausbildungsangebot müssen alle Ausbildungskapazitäten - betriebliche wie nicht-betriebliche – genutzt werden, damit jeder ausbildungsfähige Jugendliche ohne Verzögerung eine Ausbildung beginnen kann. Ausbildungsbetriebe, Berufliche Schulen und Überbetriebliche Bildungsstätten sind zudem gut beraten, sich auf unterschiedliche und möglicherweise auch eingeschränkte Eingangsvoraussetzungen von Bewerberinnen und Bewerbern einzustellen und ihre Ausbildungsangebote so zu gestalten, dass möglichst alle Jugendlichen erfolgreich zum Abschluss kommen können.

Zum anderen sind aber auch Elementarerziehung und Schulen gefordert, wichtige Beiträge zu leisten. Das Ziel muss sein, allen Jugendlichen die für eine Berufsausbildung und gesellschaftliche Teilhabe erforderlichen fachlichen und überfachlichen Basiskompetenzen zu vermitteln und sie zum Schulabschluss zu führen. Untersuchungen des BIBB zeigen, dass die schulische Berufsvorbereitung dazu wichtige Beiträge leisten kann.


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