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  Demografischer Wandel


  Manfred Kremer,
Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB):


"Anforderungen an die Berufsvorbereitung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels"

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1. Einführung

Im folgenden Beitrag geht es um die Herausforderungen des demografischen Wandels für den Bereich der Berufsvorbereitung. Kurz gefasst ist davon auszugehen, dass das Erwerbspersonenpotenzial in den kommenden Jahren um etwa 20% zurückgehen wird. Gleichzeitig wird der Fachkräftebedarf zumindest in Teilbereichen steigen, so dass spätestens in 15 bis 20 Jahren ein – nach Branchen und Qualifikationen unterschiedlich stark ausgeprägter – Fachkräftemangel zu erwarten ist. Um diesen absehbaren Mangel zumindest eingrenzen zu können, ist eine möglichst umfassende Erschließung des vorhandenen Fachkräftepotenzials erforderlich. Das heißt unter anderem, dass künftig alle jungen Menschen zu einem qualifizierten Berufsabschluss geführt werden müssen. Für die Erreichung dieser Zielsetzung kommt der Berufsvorbereitung eine herausgehobene Bedeutung zu.



2. Dimensionen des demografischen Wandels

Die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Versorgung mit Fachkräften erscheinen in der mittel- und langfristigen Projektion eindeutig: Die Erwerbsbevölkerung in Deutschland schrumpft und der Anteil älterer Menschen wird immer größer: Aufgrund sinkender Geburtenzahlen in den letzten 15 bis 20 Jahren werden künftig weniger junge Menschen auf den Arbeitsmarkt kommen. Gleichzeitig erreichen die geburtenstarken Jahrgänge langsam das Rentenalter und so wird die Anzahl der Menschen über 65 Jahre in den kommenden Jahren stark ansteigen und auch danach noch kontinuierlich zunehmen (vgl. Statistisches Bundesamt 2006).

Dies lässt gravierende Folgen sowohl auf dem Arbeits- als auch auf dem Ausbildungsmarkt erwarten. Ab 2010 wird die Zahl der Erwerbsfähigen sinken; zunächst leicht, von 2015 bis 2030 dann stärker. Danach wird sich dieser Trend – bis zum Jahr 2050 – aller Voraussicht nach zwar wieder verlangsamen, die abnehmende Tendenz wird allerdings bleiben. Die Zahl der erwerbsfähigen Menschen wird dadurch von rund 50 auf dann nur noch etwa 40 Millionen Menschen zurück gehen.

Die Zahl der tatsächlich verfügbaren Fachkräfte hängt von vielen Einzelfaktoren ab. Es sind auch Entwicklungsmöglichkeiten denkbar, die von der hier skizzierten Perspektive abweichen. Dazu gehört – neben der Erwerbsbeteiligung – vorrangig die (natürliche) Bevölkerungsentwicklung, die ihrerseits auch durch Wanderungseffekte beeinflusst wird. So könnten zum Beispiel höhere Zuwanderungsraten als heute das Erwerbspersonenpotenzial in der Zukunft deutlich erhöhen. Auch wenn wieder mehr Kinder geboren würden, hätte dies einen positiven Einfluss auf die Zahl der Erwerbsfähigen, der sich allerdings erst in ferner Zukunft auswirken würde. Nach den gegenwärtigen Erwartungen ist aber davon auszugehen, dass das Erwerbspersonenpotenzial in den nächsten Jahren deutlich zurückgehen wird.



3. Die Entwicklung der Qualifikationsanforderungen

Die demografische Entwicklung wird sich auf viele gesellschaftliche Bereiche gravierend auswirken. Die sozialen Sicherungssysteme werden vor große Herausforderungen gestellt. Es besteht die Gefahr, dass Deutschland mehr noch als heute in Schwund- und Boomregionen zerfällt. Zugleich wird sich diese Entwicklung aber auch gravierend auf die Bereiche Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt auswirken. Dabei wird es je nach Branche und Region erhebliche Unterschiede geben.

So ist für die künftige Entwicklung davon auszugehen, dass sich die Beschäftigtenanteile im primären Sektor – also in der Landwirtschaft und im Bergbau – sowie im sekundären Bereich – zu dem das verarbeitende Gewerbe, der Energiebereich und der Bausektor gehören – weiterhin rückläufig entwickeln werden. Anstiege sind hingegen auf dem Dienstleistungssektor – dem tertiären Bereich – und hier vor allem. im Bereich der sekundären Dienstleistungen (Forschung und Entwicklung; Management; Beratung; Lehren, Heilberufe und ähnliche Bereiche) zu erwarten.

Dabei ist festzuhalten: Die deutsche Wirtschaft kann vor dem Hintergrund des Ausbaus des europäischen Binnenmarkts und der Globalisierung der Wirtschaft international nur bestehen, wenn sie ein hohes Qualitätsniveau hält. Das gilt für den Produktions- und den Dienstleistungssektor gleichermaßen (vgl. Helmrich 2008).

Der Wandel zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft , die dynamische Entwicklung neuer Technologien und die Internationalisierung der Wirtschaftsbeziehungen stellen auch neue und höhere Anforderungen an Bildung und Ausbildung. Der Trend geht demnach gleichzeitig in Richtung Tertiärisierung und Höherqualifizierung. Dies gilt nicht nur im Hinblick auf Wissen und Fertigkeiten, sondern auch für überfachliche Kompetenzen unterschiedlichster Art. Flexibilität, Eigeninitiative, Eigenverantwortung, Teamfähigkeit, Umgangsformen, Belastbarkeit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, um nur einige zu nennen, sind Grundvoraussetzungen, um im Wettbewerb zu bestehen. Es geht also nicht mehr nur um die Vermittlung von fachlichen Fertigkeiten und Kenntnissen, sondern gleichermaßen auch um die nachhaltige Vermittlung von sozialen und personalen Kompetenzen, die zentrale Bestandteile beruflicher Handlungskompetenz sind.


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