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  Demografischer Wandel


  Dr. Wulf H. Bernotat,
CEO, E.ON AG:


"Corporate Social Responsibility – Unternehmerische Bildungsverantwortung vor dem Hintergrund des demographischen Wandels"

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Gesellschaftliche Entwicklungen und unternehmerisches Handeln stehen seit jeher in einem dauerhaften Wechselspiel. Zum einen bilden gesellschaftliche Rahmenfaktoren den Kontext für unternehmerisches Handeln. Zum anderen gestalten Unternehmen gesellschaftliche Entwicklungen immer auch mit. Zu den wichtigsten Einflussfaktoren in diesem Zusammenspiel gehört der demografische Wandel, den speziell in Deutschland vor allem zwei wesentliche Entwicklungen kennzeichnen: Auf der einen Seite steigt die Lebenserwartung der Menschen, die bei uns heute im Durchschnitt eine über 30 Jahre längere Lebenszeit haben als noch vor 100 Jahren. Auf der anderen Seite lässt sich ein starker Rückgang der Geburten feststellen.

Diese veränderte Altersstruktur der Bevölkerung hat wesentlichen Einfluss auf die Gesellschaft und damit zugleich Folgen für Unternehmen. Sie muss daher von Unternehmen wahrgenommen und in deren Entscheidungen berücksichtigt werden. Jeder Akteur in der Gesellschaft kann einen Beitrag leisten, um in einer älter werdenden Gesellschaft Zufriedenheit, Wohlstand und eine florierende Wirtschaft zu sichern. Dabei sind Zivilgesellschaft und Staat genauso gefragt wie die Wirtschaft. Denn nur im Miteinander lassen sich komplexe Herausforderungen wie der demografische Wandel intelligent meistern und zum Positiven bewenden. Dabei sollte jeder für das Verantwortung übernehmen, was er am besten kann.

Selbstverständlich ist es nur schwer möglich, den demografischen Prozess an sich zu beeinflussen. So haben Unternehmen beispielsweise keinen direkten Einfluss auf die Geburtenrate. Durch die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie lässt sich aber gleichwohl ein Beitrag dazu leisten. Weitere zentrale Handlungsfelder für die Bewältigung des demografischen Wandels stellen die Gesundheitsförderung der Mitarbeiter, die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer, innovative Arbeitszeitmodelle, die Unterstützung betrieblicher Altersvorsorge sowie – allen voran – Investitionen in Bildung und Ausbildung dar. Durch Bildungsengagement können Unternehmen eine zukunftsfähige Lebens- und vor allem Arbeitswelt aktiv mit gestalten.

Der gesamtgesellschaftliche Bildungsbedarf braucht allerdings auch gesamtgesellschaftliches Handeln. Nicht erst durch die Pisa-Debatte ist deutlich geworden, dass es einen großen Verbesserungsbedarf in der deutschen Bildung gibt. Die deutsche Bildungspolitik braucht neue Sichtweisen, Impulse und Maßnahmen. Anzustreben ist unter anderem eine stärkere Durchlässigkeit des Bildungssystems nach oben, die Realisierung von Chancengerechtigkeit sowie eine Stärkung der sozialen Fähigkeiten und Kompetenzen, denen für das Zusammenleben innerhalb der Gesellschaft eine immer wichtigere Bedeutung zukommt.

Speziell für Unternehmen stellen sich darüber hinaus weitere zentrale Herausforderungen, denn es sie spüren schon heute einen zunehmenden Mangel an ausbildungsfähigen jungen Menschen. Ausbildungsstellen bleiben auch deswegen zum Teil unbesetzt, weil Frauen in bestimmten Berufszweigen immer noch nicht ausreichend integriert werden. Es zeigt sich, dass es schwieriger sein wird, bei Bedarf junge Arbeitskräfte zu finden - weil es immer weniger geben wird. Und speziell im technischen Bereich ist schon heute der Fachkräftemangel unübersehbar. So hat die Jahrgangsstärke der Absolventen ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge entgegen dem positiven Trend im Akademikersegment in den letzten zehn Jahren deutlich abgenommen. Aus dem Erwerbsleben ausscheidende Ingenieure verschärfen das Problem der Ingenieurlücke. Bereits seit 2005 herrscht auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure ein Engpass, der sich in jüngster Zeit kontinuierlich verstärkt hat. Dies hat unternehmerische und gesamtwirtschaftliche Konsequenzen, denn die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte ist ein entscheidender Faktor für die Leistungsfähigkeit und Produktivität eines Landes.

Maßnahmen zur Bekämpfung bzw. Bewältigung der Ingenieurlücke müssen bei der Bildungspolitik selbst, insbesondere durch die Stärkung des technisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts an allgemeinbildenden Schulen ansetzen. Vorbildliche Beispiele lassen sich in Schweden, Irland oder Finnland finden, wo über verschiedenste Maßnahmen wie etwa verbindlichen Technikunterricht deutlich mehr Schülerinnen und Schüler an die Aufnahme eines ingenieurwissenschaftlichen Studiums herangeführt werden. Daneben sind aus Unternehmenssicht aber auch die gezielte Förderung des begabten Nachwuchses zum Beispiel durch Stipendienprogramme sowie die Zuwanderung ausländischer Ingenieure zu erleichtern. Dennoch: Die Nachfrage nach Studenten aus ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen steigt. Gesamtwirtschaftlich kann dabei aus heutiger Sicht bestenfalls der demografiebedingte Ersatzbedarf, nicht jedoch der strukturell bedingte Zusatzbedarf gedeckt werden und Deutschland droht einen seiner wichtigsten Stützpfeiler in Bezug auf die eigene Innovationsfähigkeit zu verlieren.


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